Mário Soares (Archivfoto von 2012)

Der frühere portugiesische Präsident Mário Soares ist tot. Soares starb nach Angaben eines Krankenhaussprechers am Samstag im Alter von 92 Jahren. Der frühere Staatschef war Mitte Dezember in eine Klinik in Lissabon eingeliefert worden, nachdem sich sein Allgemeinzustand extrem verschlechtert hatte.

Mit dem Tod von Mário Soares hat Portugal einen der schillerndsten und wichtigsten Politiker der Nachkriegszeit verloren. In den schwierigen Jahren nach der "Nelkenrevolution" von 1974 ging der Sozialist mit dem volksnahen Auftreten als "Vater der Demokratie" in die Geschichte seines Landes ein.

Der gelernte Jurist war unter anderem Regierungschef und Außenminister seines Landes sowie von 1986 bis 1996 in zwei Amtsperioden auch Staatsoberhaupt von Portugal. Im Jahr 2006 kandidierte er erneut für das Präsidentenamt, unterlag jedoch.

Beiname: König

Während seiner Präsidentschaft bekam Soares von seinen Landsleuten ironisch-liebevoll den Beinamen "O Rei" (König) verpasst. Bei den zuletzt immer selteneren öffentlichen Auftritten wurde er mit lautem Applaus begrüßt. Auch bei politischen Rivalen genoss er viel Respekt.

Soares wurde am 7. Dezember 1924 als Sohn eines sozial und politisch engagierten katholischen Priesters geboren. Seinen Kampf gegen die Diktatur von António Salazar nahm er schon 1942 als 18-jähriger Student auf. Als Anwalt verteidigte er später Regimegegner vor Gericht. Unzählige Male wurde er selber ins Gefängnis geworfen. Seine Frau Maria, die 2015 mit 90 starb, hatte er 1949 in Aljube hinter Gittern geheiratet. 1968 wurde der "Störenfried" vom Regime auf die afrikanische Insel São Tomé – damals noch eine portugiesische Kolonie – verbannt, 1970 ging Soares dann ins Exil nach Paris.

Beeinflusst von Willy Brandt

Aber auch Deutschland spielte im Leben des Mário Soares eine wichtige Rolle. In der französischen Hauptstadt lernte er neben verschiedenen linksgerichteten Politikern wie dem Schweden Olof Palme oder dem Österreicher Bruno Kreisky auch Willy Brandt kennen. "Eine außergewöhnliche politische Lehrzeit", erinnerte sich Soares Jahre später. In der Heimvolksschule Bad Münstereifel der Friedrich-Ebert-Stiftung gründete der Portugiese am 19. April 1973 mit mehreren Mitstreitern die Sozialistische Partei Portugals (PS).

Als dann ein Jahr später die älteste Diktatur Westeuropas in der sogenannten Nelkenrevolution von einem nahezu unblutigen Militärputsch hinweggefegt wurde und jubelnde Portugiesen am 25. April 1974 den linksgerichteten Soldaten der Revolution Nelken in die Gewehrläufe steckten, verfolgte der gute Freund von Brandt und Günter Grass die Ereignisse in Bonn im Fernsehen und Radio – bevor er sich kurzerhand gen Heimat aufmachte. Drei Tage später traf er mit dem Nachtzug in Lissabon ein.

Kolumnist und Europa-Befürworter

Nach der turbulenten Zeit des Übergangs, während der er unter anderem als Außenminister und Regierungschef tätig war, wurde der überzeugte Europäer 1986 als erster portugiesischer Zivilist zum Staatsoberhaupt gewählt.

Von der Politik konnte sich der Ehrenpräsident der Sozialistischen Internationale derweil auch an seinem langen Lebensabend – sei es als Amtsträger oder als Kommentator – nicht trennen. Nachdem er sich zunächst 1999 als Abgeordneter ins Europaparlament hatte wählen lassen und 2006 mit einer erneuten Präsidentschaftskandidatur gescheitert war, veröffentlichte der Vater zweier Kinder und mehrfache Großvater 2011 eine "politische Autobiografie".

Er schrieb außerdem bis zuletzt Kolumnen für die Zeitung "Diário de Notícias" und für die Wochenzeitschrift "Visão". Dabei stellte er vor allem die Sparpolitik in Lissabon und Brüssel, die zunehmende soziale Ungleichheit in Portugal und Europa und die Vernachlässigung von Flüchtlingen durch die reicheren Länder scharf an den Pranger. "Die Welt sieht leider immer schlechter aus", klagte Soares erst im vergangenen Jahr.

This article was sourced from http://emptynestmagazine.com